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- bei den Gewerkschaften,...

Inhalt der Ausgabe 5 - Winter 2003/2004

Soziale Gerechtigkeit - eingefroren. 2003 ist am Ende. [mehr...]

Verarmung als Programm

Seitenblick Demonstration gegen den Sozialabbau in Berlin - ein Signal an die Regierenden
 / HALZ zur Diskussion

Horrorskop
Das Horrorskop verdanken wir dem seit vielen Jahren für seine genauen Vorhersagen zur Beschäftigungsentwicklung berühmten chinesischen Astrologen Flo Ri An. [mehr...]

www 
www.Beschäftigungssicherung in NRW / www.Steuern sparen bei Minijobs / www.Wirtschaft für die Jackentasche / www.Vermögenssteuer jetzt [mehr...]

"Ich bin dafür, dass die EKD Stellung nimmt zu den derzeitigen Diskussionen." 
HALZ-Gespräch mit Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann [mehr...]

Vermögen: Im Ausland höher besteuert

Das Soziale neu denken
So lautet der Titel des neuen Sozialpapiers der katholischen Bischöfe. Ein anspruchsvolles Ziel - wird es eingelöst? [mehr...]

UnRecht Aktuelle Urteile

Null-Laden, Szenia und Tagestreff
Der Verein Selbsthilfe für Wohnungslose e.V. richtet sich mit seinem Angebot an Menschen im Wohnungsnotfall,... [mehr...]

Initiativen und Beratung: 
Arbeitslosenkreis Linden, ver.di Erwerbslosenausschuss,... [mehr...]

Schöne neue Welt
Länger arbeiten = mehr Arbeitslose [mehr...]

"Was fehlt, ist ein öffentlich geförderter Arbeitsmarkt"
Fred-Uwe Schulz (DGB) äußert sich im HALZ-Interview

Tipps und Geld Bewerbungskosten-Erstattung  / Reisekosten zu Vorstellung / Praxisgebühren ab 01.01.04 / ...

Abschaffung von Arbeitslosigkeit - durch mehr Bewerbungen
Es gibt in Deutschland über 4 Millionen offiziell gemeldete Erwerbslose. [...] Dieses Bewerberpotenzial könnte für einen enormen Stellenzuwachs sorgen - und zwar so

Stellenanzeige 
Die HALZ expandiert. Wir suchen Mitarbeiter/innen.

Leserecho / Die neue Ich-AG-Idee / "Druck auf den Strassen … " / PSA-Zwischenbilanz 2003

"Solange ich kämpfe, lebe ich."
Gespräch mit einer Langzeitarbeitslosen

HALZ Kunst / Sprach-Müll / HALZ über Kopf

Impressum

HALZ zum Download
 

soziale Gerechtigkeit
Soziale Gerechtigkeit - eingefroren. 2003 ist am Ende. 
2004 liegt vor uns und die Aussichten sind düster. Trotz Massenarbeitslosigkeit soll noch länger und für "lau" gearbeitet werden. Schlecht bezahlte Mini Jobs und ICH AGs werden von der Bundesregierung gefördert. Weiterbildung findet praktisch nicht mehr statt. Ein staatlich geförderter zweiter Arbeitsmarkt als Alternative zur wachsenden Massenarbeitslosigkeit hat keine Chance. Obdachlosigkeit nimmt wieder zu. Die Suppenküchen können den Andrang kaum noch bewältigen. Chronisch Kranke und Sozialhilfeempfänger sind verängstigt, weil sie nicht wissen, wie sie im neuen Jahr Medikamente und Behandlungen bezahlen sollen.
Auf der anderen Seite: Überdachte, überwachte Konsum-Luxustempel und von schwarzen Sheriffs abgeriegelte Wohnidyllen. Die Kluft in unserer Gesellschaft wird immer größer. 

Drei Affen 
Die politisch Verantwortlichen verhalten sich wie die drei Affen: nichts sehen - nichts hören - nichts sagen. Schlimmer: Sie treiben die Spaltung der Gesellschaft und Umverteilung von unten nach oben bewusst voran.
Was tun? Auswandern, raus aus der Kälte? Nach Südamerika zum Beispiel? Wozu? Wenn das hier so weiter geht, haben wir als Folge der globalen Klima- und Gerechtigkeitskatastrophe nicht nur mittelamerikanische Temperaturen, sondern auch Armut und Verzweifelung.
Oder im Land bleiben und sich wehren? Ansätze sind erkennbar. Am 1. November über 100.000 Menschen in Berlin, am 18. November 50.000 in Wiesbaden und am 10. Dezember Auftakt für ein soziales Bündnis in Niedersachsen in Hannover - alle haben eins gemein: bunter vielfältiger Widerstand von Menschen aus Gewerkschaften, Sozialverbänden, Kirchen, Initiativen, Betroffene und Engagierte gegen einen Sozialabbau auf allen Ebenen.

Und es geht weiter
Anfang April wird es einen europäischen Aktionstag gegen Sozialabbau geben, zu dem der Europäische Gewerkschaftsbund und das Europäische Sozialforum der sozialen Bewegungen mobilisieren. (Näheres in der nächsten HALZ)

Dicker Hals von leeren Kassen
Immer mehr Menschen bekommen einen dicken Hals von der endlosen Geschichte der leeren Kassen. "Natürlich" sind die öffentlichen Kassen leer und die der sozial Schwachen eh. Zugleich: Konzerne zahlen keine Gewerbesteuern mehr und die Zahl der Millionäre nimmt jedes Jahr um drei Prozent zu. 
Es ist immer die Frage: Wessen Kassen sind leer? Warum ist das so? Wer schaut weg?
Es bleibt dabei: Wer von sozialer Gerechtigkeit redet, darf zu einer gerechten Verteilung nicht schweigen.
Also: Gehen wir die drei Affen so lange an, bis sie nicht mehr wegschauen und weghören können und dann so sprechen und handeln müssen, wie es die Lage erfordert.
Burkhard Hasse
  

Verarmung als Programm

Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe wird für fast 3 Millionen Menschen zu massiven materiellen Verlusten führen. Drei von vier Beziehern von Arbeitslosenhilfe werden keine Leistungen mehr erhalten oder eine weitere Kürzung verkraften müssen. Besonders hart wird es die Betroffenen in Ostdeutschland treffen. Fast 80% werden sich verschlechtern, 36% werden die Unterstützungsleistungen vollständig gestrichen.

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Seitenblick

Demonstration gegen den Sozialabbau in Berlin
- ein Signal an die Regierenden

Als "Agenda 2010" bezeichnet die Bundesregierung ihr derzeitiges Programm des rigorosen Sozialabbaus. Ein Bündnis verschiedener Organisationen und Einzelpersonen hatte für den 1. November 2003 dagegen bundesweit zum Protest in Berlin aufgerufen. Über 100.000 Gegner der rot-grünen Regierungspläne, unter ihnen auch etliche Teilnehmer aus Hannover, waren zur Kundgebung angereist. Ungeachtet der offiziellen Zurückhaltung ihrer Organisation während der Vorbereitungsphase zeigten auch zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder sprichwörtlich Flagge. Neben Einzelpersonen und Angehörigen anderer Organisationen verliehen Gewerkschafter von überallher ihrem Protest sichtbaren Ausdruck. Eine kilometerlange Demonstration zog sich vom Alexanderplatz bis zum Gendarmenmarkt. Mehrere Passanten schlossen sich spontan dem Demonstrationszug an.
Die Veranstalter verbuchen die große Beteiligung an der Demonstration zu Recht als einen Erfolg. Werden die politisch Verantwortlichen das von diesem Protest ausgehende Signal zur Kenntnis nehmen? Ein beachtlicher Teil der Bevölkerung, so wurde deutlich, ist mit der Demontage der Sozialsysteme nicht einverstanden. Ob die Demonstration den Beginn weiteren Widerstands kennzeichnet , wie von der Organisation ATTAC erwartet, oder bereits den Höhepunkt des Widerstands darstellt, lässt sich noch nicht beurteilen. Eine Änderung der derzeitigen Politik des Sozialabbaus kann wohl nur herbeigeführt werden, wenn dieser Politik auf allen Ebenen massenhaft die Legitimation entzogen wird. [...]
(Achim Beinsen)

HALZ zur Diskussion

Die HALZ gibt es seit März dieses Jahres. Nach den ersten erfolgreichen sechs Monaten hatten die Herausgeber der HALZ am 28. Oktober 2003 zu einer offenen HALZ Konferenz in das FZH Linden eingeladen. Mit LeserInnen, AutorInnen und Interessierten wurde über die aktuelle Entwicklung und die Perspektiven dieses bundesweit einmaligen Medienprojekts debattiert.
Positiv erwähnt wurde die HALZ als "Stimme für soziale Gerechtigkeit" und das professionelle Niveau. Kontrovers wurde hingegen über Layout, Typographie und Inhaltliches diskutiert. Angeregt wurden spezielle Themenschwerpunkte in der HALZ sowie eine Ausweitung des Serviceteils mit Tipps, Beratungsstellen und Kultur.
Vielfacher Wunsch: mehr Seiten und eine monatliche Erscheinungsweise. 
Die Herausgeber wiesen dazu auf die prekäre finanzielle Situation der HALZ hin.
Eine weitere offene HALZ Konferenz ist bereits für 2004 geplant

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Horrorskop

Das Horrorskop verdanken wir dem seit vielen Jahren für seine genauen Vorhersagen zur Beschäftigungsentwicklung berühmten chinesischen Astrologen Flo Ri An.

Widder. 21.03.-20.04.
Bei Ihrer telefonischen Anfrage auf eine Stellenanzeige wusste die Personalabteilung von nichts. Kein Wunder! Die Stellenanzeige wurde von der Marketingabteilung geschaltet! 

Stier. 21.04.-20.05.
Sie kommen gebräunt und gut gelaunt aus dem Urlaub zurück. Ihr Büro samt Mobiliar hat man "outgesourct". 

Zwillinge. 21.05.-20.06.
Sie sind bereits länger als ein Jahr arbeitslos. Sie möchten eine Trainingsmaßnahme besuchen, damit ihre Bewerbungen wieder up-to-date sind. Dem Arbeitsamt sind 600 Euro für drei Wochen too much. 

Krebs. 21.06.-22.07.
Auf Ihre Bewerbung als wissenschaftlicher Mitarbeiter erhalten sie eine Einladung zu einer medizinischen Testreihe. Mäuse und Affen sind zu teuer. Arbeitslose "Versuchskaninchen" sind inzwischen billiger. 

Löwe. 23.07.-22.08.
Ihre Arbeitsberaterin hat eine gute Nachricht für Sie. Sie haben einen Job in der Personal Service Agentur (PSA). Als Bibliothekarin kennen Sie sich doch mit Büchern aus. Sie dürfen an der Setzmaschine arbeiten.

Jungfrau. 23.08.-22.09.
Sie wurden gekidnappt. Endlich wieder frei! Das Arbeitsamt hat inzwischen Ihre Leistungen gesperrt. Begründung: Sie standen dem Arbeitsmarkt mutwillig nicht zur Verfügung.

Waage. 23.09.-22.10.
Sie sind leider schon längere Zeit chronisch krank. Das Arbeitsamt zahlt nicht und sagt, die Krankenkasse soll zahlen. Die geben ihnen auch nichts, denn das Arbeitsamt soll für Sie aufkommen. Sie haben Hunger.

Skorpion. 23.10.-22.11.
Sie konnten schon immer gut über Leichen gehen. Endlich haben Sie die "richtige" ABM - in Palermo.

Schütze. 23.11.-21.12.
Sie werden 50. Blumenstrauß und Sekt vom Chef. Und als Sahnehäubchen: Die Glückwunschkarte zu ihrer Entlassung.

Steinbock. 22.12.-19.01.
Sie reichen noch in diesem Monat die Scheidung ein. Ihr Mann ist schon länger als ein Jahr arbeitslos. Genug ist genug. Für den "faulen Sack" wollen sie nicht länger ihr hart verdientes Geld ausgeben.

Wassermann. 20.01.-18.02.
Sie mögen Pommes mit Ketchup? Gründen Sie eine ICH AG mit dem Handel von Ketchup in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Mit Senf hat's schließlich auch geklappt! 

Fische. 19.02.-20.03. 
Sie bewerben sich als Projektmanager. Erstklassige Zeugnisse, Auslandserfahrung, Fremdsprachen etc. Es wird nichts. Ein Praktikant macht den Job für weniger als 400 Euro. 
bh/sg

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WWW

www.Beschäftigungssicherung in NRW

Das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen hat eine spezielle Seite für Informationen zur Beschäftigungssicherung, zum Beschäftigtentransfer bei Umstrukturierungen und für die arbeitsorientierte Modernisierung freigeschaltet.
Mehr unter www.beschaeftigtentransfer.nrw.de  

Demonstration am 10. Dezember 2003 in Hannover
Demonstration am 10. Dezember 2003 in Hannover

 
www.Steuern sparen bei Minijobs

Minijobs für viele Menschen bittere, nicht Existenzsichernde Notwendigkeit. Wie man dabei wenigstens ein paar Euro sparen kann, zeigt eine Broschüre des Finanzministerium Rheinland-Pfalz.
Download unter www.fm.rlp.dem (bei Service/Infomaterial) 

www.Wirtschaft für die Jackentasche

Wichtige Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten gibt es kostenlos auf der "Datenkarte 2003" der Hans-Böckler-Stiftung. Bestellung per Post an "Der Setzkasten. Kreuzbergstr. 56. 40489 Düsseldorf" oder im Netz unter www.boeckler.de/datenkarte 

www.Vermögenssteuer jetzt

Die Wiedereinführung der Vermögenssteuer brächte bis zu 2 Milliarden Euro Steuermehreinnahmen für den Berliner und mehr als 1 Milliarde Euro dem Brandenburger Landeshaushalt. Dies hat eine Studie des Marburger Wirtschaftswissenschaftlers Kai Eicker-Wolf ergeben. 
Download unter www.berlin-brandenburg.dgb.de/article/articleview/1240   

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"Ich bin dafür, dass die EKD Stellung nimmt zu den derzeitigen Diskussionen." 

HALZ-Gespräch mit Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann

HALZ: Die beiden großen Kirchen wiesen in ihrem Sozialwort von 1997 auf die bedrohliche soziale Schieflage in unserem Land hin. Kann diese Stellungnahme für ein gerechtes Miteinander künftig eine Plattform sein für ein verstärktes gesellschaftliches Engagement von Kirchen, Sozialverbänden, Initiativen und Gewerkschaften? Wird die evangelische Kirche nach mehr als fünf Jahren und angesichts einer Zuspitzung der Problemlage eine aktuelle Analyse in absehbarer Zeit vorstellen?
Dr. Margot Käßmann: Das Sozialwort von 1997 ist eine gute Grundlage mit seinen intensiven Ausarbeitungen zu Fragen: Was ist soziale Gerechtigkeit, was bedeutet gesellschaftliche Beteiligung, wie können wir vergleichbare Lebensbedingungen und Lebenschancen für alle schaffen? Ich bin dafür, dass die EKD in absehbarer Zeit in Kurzfassung auf der Grundlage des gemeinsamen Sozialwortes Stellung nimmt zu den derzeitigen Diskussionen. 
Ich glaube, wir kommen in eine Schieflage, wenn in den ganzen Reformdebatten immer gefragt wird: Wie kann bei Sozialhilfeempfängern, bei Arbeitslosen, bei Renten gespart werden - und die ganze Problematik des Sozialwortes, das ja einen Armuts- und Reichtumsbericht gefordert hat, überhaupt nicht zum Zuge kommt. 
Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann
 Landesbischöfin
 Dr. Margot Käßmann

Beispielsweise gab es in Deutschland noch nie so viele Sparguthaben wie heute, es gab noch nie so viel Vermögen, das vererbt wurde. All das kommt in der jetzigen Reformdebatte gar nicht in den Blick. Wir brauchten eine aktualisierte Kurzform zur jetzigen Reformdebatte auf der Grundlage des Sozialwortes und der Rat der EKD wird das miteinander diskutieren müssen. 

"Außerdem finde ich es geradezu absurd, zu sagen: 'Wir brauchen noch mehr Zeit zum Einkaufen'."

HALZ: Vertreter von Fachverbänden des Einzelhandels und Wirtschaftspolitiker fordern seit längerem, dass die Geschäfte auch am Sonntag geöffnet sein dürfen. Wie wollen Sie vor diesem Hintergrund Ihre Forderung "Ohne Sonntage gibt es nur Werktage" durchsetzen und eine notwendige Kultur der Ruhe, Muße und Einkehr fördern?
Dr. Margot Käßmann: Unsere Kirche - und ich ganz persönlich - wird sich ganz energisch gegen diese Tendenzen wehren. Das fängt schon an im Advent, wo gefragt wird, ob wir nicht auch an den Adventssonntagen shoppen dürften. Das ist langsam aber sicher eine wirkliche Zerstörung, nicht nur christlicher Glaubensgrundlagen, sondern auch unserer Kultur. Der Sonntag kommt einerseits aus dem christlichen Glauben, aus der jüdisch-christlichen Tradition als Ruhetag, ist aber auch gesamtgesellschaftlich ungeheuer wertvoll. Eine gemeinsame Auszeit, an der wir uns mit Freundinnen und Freunden treffen können, essen gehen können, ausschlafen, Zeit für die Familie haben, Zeit auch für den Gottesdienst. Ich wünsche mir, dass es einen wirklichen Aufstand derer gibt, die diese Gemeinschaftskultur erhalten wollen. Lieber einen individuellen Urlaubstag streichen als kollektive gemeinsame Zeiten der Ruhe, der Auszeit von der Arbeit. Das Burnout-Syndrom bei Managern wird darauf zurückgeführt, dass sie keinen Rhythmus mehr finden zwischen Schaffen und Ruhe. Irgendwann unterliegt die ganze Gesellschaft dem Burnout-Syndrom. Außerdem finde ich es geradezu absurd, in einem Moment wo die Menschen weniger Geld haben zu konsumieren, zu sagen: "Wir brauchen noch mehr Zeit zum Einkaufen". 

"Was jetzt passiert ist, eine Individualisierung, die auch lebenszerstörend wirkt." 

HALZ: Zur eben von Ihnen angesprochenen Frage der Kultur in dieser Gesellschaft: der grosse Theologe Karl Barth hat darauf hingewiesen, dass die Annahme von fremdem Leid eine Grundlage für jede Kultur bildet. Wie kann dieses Postulat von Nächstenliebe und Solidarität nach Ihrer Einschätzung für die Menschen zu einer täglich spürbaren und erlebbaren Erfahrung werden?
Dr. Margot Käßmann: Lebenssinn ist erfahrbar nach christlichem Verständnis aus einer Doppelbeziehung, einer Beziehung zu anderen Menschen und einer Beziehung zu Gott. Wenn heute propagiert wird, dass jeder individualistisch für sich allein das eigene Lebenssystem, die eigene Lebensideologie, den eigenen Lebenssinn "zimmert", führt das irgendwann zu Isolation, zu brutaler Vereinsamung. Nur wenn der andere mich unmittelbar angeht und ich in Beziehung treten kann, bin ich ein Mensch. Wir sollten nicht nur allgemein beklagen, dass Solidarität verloren geht, sondern alles tun, damit einzelne auch eine Chance darin sehen, sich zu engagieren, teil zu nehmen.
Um auf das "Sozialwort" zurückkommen, da steht auch: zur sozialen Gerechtigkeit gehört die Chance zur Teilnahme, Partizipation - und zur Teilnahme gehört das Mitleiden im Sinne von "Sympathein" und "Empathein"*.
Das ist im besten Sinne des Wortes mit den Anderen leben und mit den Anderen mitgehen. Das macht meines Erachtens das Leben aus in seiner ganzen Fülle. Was jetzt passiert ist, eine Individualisierung, die auch lebenszerstörend wirkt. 
Es tut den Menschen doch unglaublich gut, wenn sie sich engagieren können für eine gute Sache, dafür müssen wir mehr Angebote geben. Dass ich mich ganz konkret für einen anderen einsetzen kann: einen Obdachlosen, jemanden, der besucht werden muß, weil er einsam ist und alt oder eine illegale Frau, die schwanger ist. 
Das gibt dem Leben auch Sinn.
HALZ: Frau Dr. Käßmann, die HALZ dankt für das Gespräch. 

*"Sympathein" und "Empathein" (gr.) = "(wertende) Zustimmung zum anderen" und "einfühlendes Verstehen des anderen" d. Red.

Das Gespräch führten Burkhard Hasse und Sabine Grizewitsch am 17.November 2003 im Büro der Landesbischöfin, Foto: Klaus-Dieter Gleitze.  

 
                       

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Das Soziale neu denken

So lautet der Titel des neuen Sozialpapiers der katholischen Bischöfe. Ein anspruchsvolles Ziel - wird es eingelöst? Die Ausgangslage: "Deutschland steuert auf den Zusammenbruch seiner Sozialsysteme zu", meinen die Autoren. Und woran liegt es nach ihrer Meinung? "Ohne Kinder gibt es keine Zukunft." Die Dominanz des Sozialstaats untergräbt die Bereitschaft zur Solidarität. Und welcher Weg soll beschritten werden? Die Chance der Reformen soll u.a. in der "Förderung von Eigenverantwortung statt Fremdverantwortung, von Selbständigkeit statt Abhängigkeit" liegen. Das klingt bekannt. Richtig - es passt in den politischen mainstream, der das Heil im schlanken Staat und in der Privatisierung aller Lebensbereiche sieht.
Der Text ist somit ein Rückschritt gegenüber dem 1997 mit der Evangelischen Kirche veröffentlichten Sozialpapier. Ausgeblendet bleiben z.B. die gesellschaftlichen Verteilungswirkungen. Konkrete Forderungen und Vorschläge fehlen. Das ist bitter. 

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UnRecht

Aktuelle Urteile

Lebensversicherung nicht sicher
Wer Arbeitslosenhilfe beantragt, muss zuerst seine Lebensversicherung auflösen und "verfrühstücken", bevor er Geld vom Arbeitsamt bekommt.
Ein 48jähriger arbeitsloser Raumausstatter hatte 45.000 Euro in die Versicherung eingezahlt. Das Arbeitsamt verlangte die Auflösung, bevor es Arbeitslosenhilfe gewähren wollte. 
Diese Forderung hatte das Sozialgericht Berlin wegen Unwirtschaftlichkeit zurückgewiesen (HALZ berichtete). Das Landessozialgericht Berlin sah das anders. 
Landesarbeitsgericht Berlin. Az.: L 6 AL 16/03

Anderweitiger Einsatz ist zu prüfen
Der Wegfall eines Arbeitsplatzes allein rechtfertigt noch keine betriebsbedingte Kündigung. Der Arbeitgeber muss vor dem Aussprechen der Kündigung andere Beschäftigungsmöglichkeiten für den Betroffenen prüfen.
Arbeitsgericht Frankfurt/M. Az.: 7 Ca 2398/02

Arbeitslosengeld auch nach Aufhebungsvertrag
Droht bei Wegfall des Arbeitsplatzes eine betriebsbedingte Kündigung, darf die Betroffene unter bestimmten Umständen einen Aufhebungsvertrag abschließen, ohne anschließend die Sperrung des Arbeitslosengelds befürchten zu müssen.
Sozialgericht Dortmund. Az.: S 31 AL 101/02
Quelle: Einblick. 18/03. 13.10.2003 

Auf der Brille nicht versichert
Auf dem Weg zum WC sind Beschäftigte unfallversichert; der Aufenthalt schon hinter der äußeren Toilettentür erfolgt auf eigenes Risiko. Denn dies ist kein betriebsbedingtes Tun, sondern eine private Verrichtung, meinte das Bayerische Landessozialgericht.
Bayerisches Landessozialgericht. Az.: L 3 U 323/01
Quelle: Einblick. 19/03. 27.10.2003

Anspruch auf befristete Arbeitserlaubnis
Einem langjährig in Deutschland lebenden Ausländer ist eine befristete Arbeitserlaubnis zu erteilen, wenn in Zukunft eine Abschiebung nicht zu erwarten ist. Ein aus dem Libanon stammender Mann hatte Ende Dezember 2000 eine Arbeitserlaubnis beantragt, die ihm das Arbeitsamt verweigerte. Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen hob die Entscheidung der Vorinstanz auf. 
Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen. Az.: L 1 AL 2/02
Quelle: www.migration-online.de 

Kündigung Langzeitkranker zulässig
Einem langzeitkranken Beschäftigten darf erst dann grundsätzlich gekündigt werden, wenn innerhalb von zwei Jahren eine Genesung nicht zu erwarten ist. Ein ärztliches Gutachten hatte ergeben, dass bei der seit Mai 2001 aufgrund massiver psychischer Beschwerden ununterbrochen fehlenden Frau auch in den kommenden zwei Jahren eine Genesung nicht zu erwarten sei. Das Gericht stellte fest, dass es nicht zumutbar sei, die Stelle weiterhin mit befristeten Aushilfen besetzen zu müssen.
Arbeitsgericht Frankfurt am Main. Az.: 9 Ca 3506 02

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Null-Laden, Szenia und Tagestreff

Der Verein Selbsthilfe für Wohnungslose e.V. richtet sich mit seinem Angebot an Menschen im Wohnungsnotfall, d.h. an Menschen, die wohnungslos sind, von Wohnungslosigkeit bedroht sind, in unzumutbaren Wohnverhältnissen leben oder.

Leitgedanke unserer Arbeit ist die Aktivierung der Selbsthilfekräfte mit dem Ziel einer aktiven Bewältigung schwieriger Lebenslagen und eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. 
Seit über 20 Jahren arbeiten wir in drei Tagestreffpunkten in Hannover und füllen die Lücken im Versorgungssystem. Alle Angebote sind niedrigschwellig, d.h.: Jede/r ist will kommen, ohne Anmeldung, ohne Erklärung, ohne Verbindlichkeiten. 

Wir bieten an:
- offenen Cafébetrieb 
- Essen und Trinken zum Selbstkostenpreis - 
- Wäsche waschen, duschen, kochen 
- Beratung und Begleitung auf Wunsch 
- Vermittlung weiterer Hilfsangebote 
- Benutzung von Telefon, Zeitung, PC 
- Gruppenangebote zu speziellen Themen und zur Freizeitgestaltung 

- Unterstützung bei Behördenahngelegenheiten
- Unterstützung zur Verwirklichung von Rechtsansprüchen
- Vermittlung in Unterkünfte
- Hilfen und Unterstützung bei Wohnungssuche, beim Umzug oder zum Erhalt der Wohnung 
- Unterstützung bei der Arbeitssuche oder Qualifikation 

Und das sind unsere Anlaufstellen:

Null-Laden alkoholfreier Tagestreff mit angeschlossener Wohngruppe
Podbielskistr. 115 b, 30177 Hannover, Tel. 0511-691762, Fax 0511-2624164
Montag 9.00-17.00 Uhr, Dienstag - Donnerstag 9.00-16.00 Uhr
Freitag 9.00-14.00 Uhr u. ab 10.00 Uhr offenes Frühstück für 1,-- Euro


Szenia Tagestreff und Anlaufstelle für Frauen
Burgstr. 12, 30159 Hannover, Tel. 0511-704294, Fax 0511-7600101 
Montag 10.00-15.00 Uhr, Dienstag 14.00-18.00 Uhr,
Mittwoch u. Donnerstag 10.00-16.00 Uhr, Freitag 10.00-14.00 Uhr

Tagestreff Benzweg 1 für Menschen in Wohnungsnot und Armut
Benzweg 1/Ecke Melanchtonstr. 30165 Hannover Tel. 0511-9205660 Sonntag 9 .00-15.00 Uhr, Mittwoch 8.00-11.00 Uhr und nach Vereinbarung

AGENDA 2010

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Initiativen und Beratung 

Arbeitskreis Arbeitlose Linden 
donnerstags: 10.00-12.30 Uhr 
im Freizeitheim Linden, Windheimstr. 4, Raum 10, 30419 Hannover
Internet: www.arbeitslosenkreis-linden.de  
Kontakt: Burkhard Hasse - Fon: 0511 / 62 08 33, E-Mail: b.hasse@surfeu.de 

ver.di Erwerbslosenausschuss 
Jeden ersten Mittwoch, 16.00 Uhr - ver.di, Goseriede 10, Haus C, Sitzungsräume, 30159 Hannover
Kontakt: Gerhard Klein - Fon: 0511/ 1 24 00-345

Arbeitskreis Arbeitslose IG METALL
Mittwoch, 05.11, 10.00 - 12.00 Uhr und nach Absprache
IG METALL, Schlägerstr. 23, 30171 Hannover 
Kontakt: Norbert Kuck - Fon: 0511/ 1 24 02-31, E-Mail: norbert.kuck@igmetall.de

SONET (Erwerbslose aus sozialem und pädagogischem Bereich)
Jeden 1. und 3. Mittwoch, 10.00 - 13.00 Uhr, Pavillon, Raum 5 (in Ferien nach Absprache) 
Kontakt: J. El Karbotly - Fon: 0511/ 442746
Hannelore Mücke-Bertram - Fon: 0511/ 756960, 
E-Mail: HanneMB@gmx.de 
Flyer von SONET (PDF)

Projektgruppe gegen die Agenda 2010
Montags, 18.30 Uhr - Industriepfarramt des KDA,
Rühmkorffstr. 7, 30163 Hannover
Kontakt und Infos: www.agenda2010-kippen.de
 

Arbeitslosenzentrum Hannover
Lange Laube 22, 30159 Hannover
Fon: 0511 / 16 76 86 0 - FAX: 0511 / 16 76 86 20
www.alz-hannover.de
   
e-mail: info@alz-hannover.de 

ASG Hannover
Walter-Ballhause-Str. 4, 30451 Hannover
Fon: 0511 / 44 24 41, Fax 760 21 32, Beratung@ASG-hannover.de, www.ASG-Hannover.de

Arbeitslosenprojekt ALPRO Burgdorf
Kontakt: Rolf G. Schmidtmann
FON 05136/9720933
Projekt ALPRO
Kontakt: FON/FAX 0180-506033-501158

Arbeitsloseninitiative

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Schöne neue Welt

Länger arbeiten = mehr Arbeitslose

Im internationalen Vergleich sind nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung die Länder beschäftigungspolitisch erfolgreich, die die kürzesten tatsächlichen Wochenarbeitszeiten haben. Während Niederlande, Dänemark und Italien vorne liegen, ist Deutschland nur EU-Durchschnitt. Warum bringt weniger arbeiten mehr Jobs? Die Verteilung von Arbeit lässt sich bei kürzeren Arbeitszeiten leichter umsetzen. Und in der Regel steigt zudem die Arbeitsproduktivität, was sogar die Bosse schätzen.

Mini-Jobs - das Wundermittel gegen Arbeitslosigkeit?

Der Niedriglohnsektor boomt. Fast 7 Millionen Menschen (Stand: Ende September 2003) sind als "geringfügig entlohnt" registriert. Das sind eine Million mehr als vor einem Jahr. Klingt doch gut, endlich ein Erfolg für Schröder & Co?
Aber I: Immer noch arbeiten 98% der Hilfen im Haushalt "schwarz". 
Aber II: Schon fast jeder sechste Erwerbstätige arbeitet für weniger als 400 Euro im Monat. Aber III:  
Mini-Jobs sind kein Mittel gegen Massenarbeitslosigkeit. Das meint übrigens auch der Direktor der für die Mini-Jobs zuständigen Bundesknappschaft, Georg Greve. 

Aber IV: Würden die Mini-Jobber den üblichen Beitrag für die Arbeitslosenversicherung zahlen, kämen fast 2 Milliarden Euro in die Kasse in Nürnberg. Leistungen müssten nicht gekürzt werden. 
Fazit: Mini-Jobs sind wohl die größte Lohnsubvention zu Lasten der Allgemeinheit und der teuerste Weg, keine Arbeitsplätze zu schaffen.

Rot-grün erfolgreich - 
fast 3 Millionen in der Sozialhilfe

Immer mehr Menschen müssen zum Sozialamt, um zu überleben. Ende 2002 waren es 2,76 Millionen Menschen; sind 2,2 Prozent mehr als 2001. Vor 40 Jahren waren es gerade mal 580.000. Während die Arbeitslosenquote seit 1963 auf das Dreifache angestiegen ist, hat sich die Sozialhilfequote verzwölffacht. Jeder 14. Haushalt bezieht seit mehr als fünf Jahren Leistungen nach dem BSHG. Der Anteil der Sozialhilfeempfänger im Alter zwischen 18 und 50 Jahren stieg von 18 auf 44 Prozent. Über eine Million Kinder sind auf Sozialhilfe angewiesen. Jede vierte Alleinerziehende, aber jede zweite mit drei und mehr Kindern kommt nicht mehr raus aus der Sozialhilfe. In Sonntagsreden reden rot-grün-schwarz-gelbe Politikern von einer familienfreundlichen Politik und treiben mit ihrer Politik immer mehr in die Armut.        

Eine lohnende Investition: Mehreinnahmen durch mehr Steuerfahnder

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"Was fehlt, ist ein öffentlich geförderter Arbeitsmarkt"

Aus einem HALZ Interview mit Fred Uwe Schulz, Vorsitzender DGB Region Niedersachsen-Mitte

HALZ: Durch die sog. Hartz-Gesetze sind Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) und Strukturanpassungsmaßnahmen (SAM) abgebaut worden. Welche Erfahrungen hast Du mit diesen arbeitsmarktpolitischen Instrumenten gemacht? 

Fred-Uwe Schulz: Diese Instrumente haben positive Wirkungen gezeigt. Bundesweit entsprach die Zahl der ABM etwa einem Prozent der jeweiligen Arbeitslosenquote. Sie waren ein bedeutendes Element für mehr Beschäftigung. In der Region wurden z.B. im Verein "Arbeit und Dritte Welt" in Hildesheim durchschnittlich 50 Menschen über diese Fördermittel integriert. Das ermöglichte ihnen einen Weg aus der Arbeitslosigkeit. Zudem wurden in diesem Rahmen begleitend Fortbildungs- und Umschulungsprogramme gefördert, um ergänzend die Vermittlungschancen der Erwerbslosen zu erhöhen. Was uns aber fehlt, ist ein öffentlich geförderter Arbeitsmarkt und eine gesetzliche Grundlage zur dauerhaften Förderung von Projekten.
Vollständiges Interview: s. HALZ-Online

Fred-Uwe Schulz und Burkhard Hasse (HALZ)
Fred-Uwe Schulz und Burkhard Hasse (HALZ)

 

Tipps und Geld

Bewerbungskosten Erstattung 

Bewerbungskosten werden pauschal bewilligt. Pro Bewerbung erstattet das Arbeitsamt 5,- €. In einem Jahr werden zurzeit bis zu 260,- € insgesamt erstattet. Den Antrag erhalten Sie in Ihrer zuständigen Vermittlungsstelle. Mit dem Antrag sind eine Adressliste und Kopien der jeweiligen Bewerbungsanschreiben zur Einsichtnahme einzureichen. Der Antrag muss spätestens bis Ende der angegebenen Jahresfrist eingereicht werden. 
Das gilt auch für Arbeitsuchende, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Reisekosten zur Vorstellung 

Die Antragstellung und die vorherige Zustimmung des Arbeitsamtes muss vor Beginn der Reise liegen: Bitte denken Sie daran, sich in jedem Fall vom Arbeitgeber eine Bescheinigung ausstellen zu lassen aus der hervorgeht, dass Sie aufgrund einer Einladung zum Vorstellungsgespräch für eine beitragspflichtige Beschäftigung erschienen sind und dass keinerlei Kosten übernommen wurden. Diese Bescheinigung ist im Arbeitsamt einzureichen und Grundlage für die Erstattung der Reisekosten

Praxisgebühren ab 01.01.04

10 Euro Gebühr - einmal im Vierteljahr -
Einzug durch Ärzte und Zahnärzte nach neuem Gesetz (GMD = Gesundheits Modernisierungs Gesetz) erfolgt für die Krankenkassen bei
- jedem ersten Kontakt
- jedes Vierteljahr
- für jeden Patienten älter als 18

Tipps für eine reibungslose Abwicklung:
- Für alle Gebietsärzte (HNO + Augen etc.) immer Überweisungsschein beim Hausarzt abholen, sonst werden dort noch einmal 10 Euro erforderlich
- Bestellung von Rezepten bzw. Überweisungen stets vorab per Telefon und Abholung in Praxis am Quartalsbeginn 
- Bei einmaliger Telefonberatung sind die 10 Euro ebenfalls fällig
- Quittung über bereits bezahlte 10 Euro dabeihaben
- Beim Arztbesuch - wenn möglich - einen 10 Euro-Schein dabeihaben
(Die Kosten für einen bargeldlosen Einzug sind zu hoch.)

Bürgertelefon zum Nulltarif

Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung hat sog. Bürgertelefone (Montag bis Donnerstag von 8 bis 20 Uhr) zu verschiedenen Themen zum Nulltarif freigeschaltet:
Rente
0800-1515150
Infos für behinderte Menschen 
0800-1515152
Pflegeversicherung 
0800-1515158
Krankenversicherung 
0800-1515159
Gehörlosen/Hörgeschädigten-Service 
Schreibtelefon 0800-1110005, Fax 0800-1110001

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Tipps und Geld

Spartipp
Mitfahrzentrale Preisbeispiel: H - HH, Hin- und zurück: ca. 18 Euro (mit Bahncard 50 ca. 30 Euro, Ersparnis 40%)

Sparen im Netz
www.erwerbslose.de - alles um das Dasein von Erwerbslosen
www.kaufenaberwo.de - alles zum Thema "Einkaufen"
www.geizkragen.de - alles für Geizkragen 

Alles umsonst
Im Verbreitungsgebiet unserer "HALZ" befinden sich mehrere "Umsonst - Läden". 
Der Laden in der Ahornstr. 4 im Stadtteil Mittelfeld hat nach eigener Auskunft jeden Nachmittag von 9.30 - 18 Uhr geöffnet und sucht derzeit weitere ehrenamtlich bzw. umsonst mitarbeitende Kräfte für die Warenannahme und Ausgabe. Bücher werden im Moment nicht angenommen. Mehr als drei Artikel darf ein Kunde nicht auf einmal erwerben. Der Preis für jeden mitgenommenen Artikel beträgt 1 (ein) Euro. Denn völlig umsonst kann auch der UMSONSTLADEN nicht arbeiten (Der Name macht sich wegen der Werbung besser). Tel. 0511/8 60 27 25. Straßenbahn Nr. 8. Haltestelle Stadtfriedhof Seelhorst.
Der Verein FLAIS e. V. im Stadtteil Vahrenheide unterhält neben einem Tauschring eine "FUNDGRUBE". Geöffnet wird zweimal in der Woche. Besonders Damen finden dort eine große Auswahl von Textilien der letzten Saison. Die Dunantstr. 5 erreichen Sie mit dem Bus Nr. 135, Haitestelle Dunantstr. (auch Straßenbahn Nr. 2, Haltestelle Vahrenheider Markt). Auf US-amerikanisch heißen die Umsonstläden "thrift shops". Bringen Sie mir aus den Staaten bitte ein Paar Jeans, Größe XXL, mit.
Ralf Behrens

Arbeitsamt dicht?
Das Arbeitsamt Hannover ist donnerstags ab 12.30 Uhr für Erwerbslose geschlossen. Es ist nur noch für diejenigen geöffnet, die der neuen Meldepflicht unterliegen, z. B. gekündigt sind und sich sofort melden müssen.

Arbeitslose und das Bankgeheimnis 
Ein Bankgeheimnis für Erwerbslose existiert nicht. Banken melden dem Bundesamt für Finanzen automatisch die beantragten bzw. erteilten sogen. Freistellungsaufträge (durch Freistellungsaufträge können Zinseinkünfte in gewissen Grenzen von der Besteuerung befreit werden). Das Bundesamt gibt diese Informationen regelmäßig an die Arbeitsämter weiter. 

Arbeitslosenhilfe und Lebensversicherung
Keine Arbeitslosenhilfe wegen einer Lebensversicherung? Widerspruch und Klage einreichen (s. auch HALZ Juli 03 und www.halz.org). Mit Widerspruch "Antrag auf einstweilige Anordnung" stellen! Damit kann eine schnellere Entscheidung herbeigeführt werden. Ausserdem kann die Arbeitslosenhilfe bis zur endgültigen Entscheidung gezahlt werden. Andernfalls kriegt man irgendwann Recht, aber in der Zwischenzeit musste die Lebensversicherung auf gebraucht werden. 
Der Antrag ist beim zuständigen Sozialgericht zu stellen. Details mit dem Rechtsschutz der Gewerkschaft (für Mitglieder) klären, wie z.B. die "Sicherungsübereignung" der Lebensversicherung an das Arbeitsamt. Damit übereignet man die Lebensversicherung im "Antrag auf einstweilige Anordnung" als Pfand an das Arbeitsamt und erhöht so die Chancen vor Gericht auf Erfolg.

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Abschaffung von Arbeitslosigkeit - durch mehr Bewerbungen

Es gibt in Deutschland über 4 Millionen offiziell gemeldete Erwerbslose. Diese sind gehalten, sich ständig um nicht vorhandene Arbeitsplätze zu bemühen. Zumutbar sind bis zu 10 Bewerbungen pro Monat; theoretisch wären das ca. 500 Millionen Bewerbungen im Jahr. Dieses Bewerberpotenzial könnte für einen enormen Stellenzuwachs sorgen - und zwar so:
Wenn Betriebe und Unternehmen nicht im Bewerbungsmüll ersticken wollen, werden Neueinstellungen fällig. Irgendjemand muss das Massenprodukt Bewerbung schließlich entsorgen: am Mülleimer oder Reißwolf oder - bei fernmündlichen Bewerbungen - in betriebseigenen Call Centern. Von Massenbewerbungen profitieren nicht zuletzt Papierindustrie, Fotografen, Grafiker und die deutsche Post. Auch die Gastronomie wird aus dem Bewerbungsboom Kapital schlagen: Dauerbewerber werden neue Rituale einführen und ihre 100ste Absage in angemessenem Ambiente feiern wollen. Zu den ganz großen Gewinnern der Bewerbungsproduktion gehört jedoch der Umweltschutz. Greenpeace-Aktivisten dürfen einmal mehr ihr Leben aufs Spiel setzen, um umweltschädliche Postsendungen zu stoppen, und weil das sowieso nichts nützt, werden die Grünen eine weitere Umweltnische erschließen und zu Geld machen: Ressourcenschonendes, sanftes Bewerben - Recycling in Bewerbungsverfahren.
Eine neue Kultur des Bewerbens hätte auch für Erwerbslose positive Nebeneffekte: Dauerbewerber sind bekannt für ihre hohe Frustrationstoleranz, sie haben gelernt, mit dem Scheitern zu leben und leben gerade dadurch viel authentischer und gesünder. In Selbsterfahrungs-Gruppen können Bewerbungsprofis zudem spirituelle Erfahrungen austauschen: Ich bewerbe mich, also bin ich - Integrierte Bewerbungsmassagen - Bewerben als Weg .

Dass das Produkt Bewerbung eine kapitalkräftige Investition in die Zukunft ist, haben Finanzpolitiker längst erkannt. Massenhaftes Bewerben saniert den Staatshaushalt nachhaltiger als jede Tabaksteuer. 
Mit einer Mehrwertsteuer von 1 € pro Bewerbung wäre auch Hans Eichel in der Öffentlichkeit rehabilitiert und müsste sich nicht mehr in Talkshows madig machen lassen.
Zusammengefasst: 4 Millionen Erwerbslose, die 500 Millionen Bewerbungen pro Jahr umsetzen, schaffen ein Wirtschaftswachstum von 2,5 % mit ca. 1 Million neuen Arbeitsstellen. Die Arbeitslosigkeit müsste sich lediglich vervierfachen - und wäre binnen kurzem abgeschafft. Angela Dinghaus

Arbeitsvermittlung

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HALZ informiert

HART(Z) ab 01.01.04

Die sog. Hartz-Gesetze III und IV führen zu neuen rechtlichen Regelungen, die zu vier verschiedenen Zeitpunkten (1. Januar 2004, 1. Juli 2004, 1. Januar 2005 und 1. Februar 2006) wirksam werden. Grundlage für die folgenden Hinweise sind die vom Bundestag beschlossenen Gesetze. Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen, da einige Vorschriften ohne die Zustimmung des Bundesrats nicht in Kraft treten können. Wir konzentrieren uns auf die Änderungen zum 1. Januar 2004 (Stand: 30.11.2003). 

Die aktuellen Entwicklungen können unter www.halz.org nachgelesen werden.

  • Arbeitslosmeldung drei Monate vor Eintritt der Arbeitslosigkeit (zusammen mit der Meldung als Arbeitssuchend, wichtig bei befristeten Verträgen)
  • Gewährung von Arbeitslosenhilfe nur noch für sechs Monate (bisher: 12 Monate);
  • Individuelle Umstellung von der Arbeitslosenhilfe auf das sog. Arbeitslosengeld 2 (ALG 2) im zweiten Halbjahr 2004
  • Abschaffung der Strukturanpassungsmaßnahmen (SAM)
  • Aufhebung der Versicherungspflicht in der Arbeitslosenversicherung für neu bewilligte ABM (Folge: keine Ansprüche auf Leistungen nach dem Ende der ABM)
  • ABM Höchstdauer: 24 Monate
  • Abberufung aus einer ABM auch bei kurzen Jobs auf dem sog. I. Arbeitsmarkt
  • Pauschalierung der Förderung für ABM
  • Reduzierung von Förderhöhe und -dauer bei Eingliederungszuschüssen
  • Überbrückungsgeld (nur lohnend bei hohen Ansprüchen auf Leistungen bei Arbeitslosengeld und -hilfe) zur Existenzgründung wird zu einer Pflichtleistung 
  • Erneute Förderung zur Existenzgründung erst nach 24 Monaten (gilt auch für die sog. ICH AG)

Leiharbeit

Ab 1. Januar 2004 gilt der zwischen dem DGB und der Bundesorganisation Zeitarbeitsunternehmen abgeschlossene und von Arbeitslosen sowie Erwerbsloseninitiativen vielfach kritisierte Tarifvertrag. 
HALZ informiert über wichtige Regelungen.
Stundenlohn:
2004 zwischen 6,58 und 15,50 Euro (gestaffelt in 9 Lohngruppen) ansteigend bis
2007 zwischen 7,38 und 16,69 Euro
Abschläge Ost
2004 minus 13,5 %, 2005 minus 10,5%, 2006 minus 8,5%
Monatliche Arbeitszeit: 151,67 Stunden (entspricht etwa der 35-Stunden-Woche) Maximal 40 Stunden pro Woche
Mehrarbeit: Maximal 200 Plus-Stunden auf einem Arbeitszeitkonto (Zur Beschäftigungs-sicherung bis zu 230 Stunden)
Urlaub: 1. Jahr der Betriebszugehörigkeit 24 Arbeitstage, 2. Jahr 25, 3. Jahr 26, 4. Jahr 28 und ab dem 5. Jahr 30 Tage
Urlaubs- und Weihnachtsgeld: 2. Jahr der Betriebszugehörigkeit 150 Euro, 3. und 4. Jahr 200 und ab dem 5. Jahr 300 Euro
Zuschläge: bei ununterbrochenem Einsatz im gleichen Betrieb
2,0% nach Ablauf von drei Monaten
3,5% nach Ablauf von sechs Monaten
5,0% nach Ablauf von neun Monaten
7,5% nach Ablauf von zwölf Monaten
Streik: Kein Einsatz von Leiharbeitern in bestreikten Betrieben
Kündigung des Tarifvertrags: mit einer Frist von sechs Monaten, erstmals zum 31.12.2007

Wir kritisieren

  • Der Tarifvertrag wurde ohne die Einbeziehung der Betroffenen abgeschlossen.
  • Während sich die Gewerkschaften zu Recht gegen lange Laufzeiten wehren, haben sie ohne Not und ohne Grund einen Tarifvertrag mit einer außergewöhnlichen langen Laufzeit abgeschlossen. 
  • Diese Vereinbarung ist in vielen Bereichen schlechter als bestehende Tarifverträge ausgefallen.
  • Eine Kündigung des Tarifvertrags ist erst zum 31.12.2007 möglich.
  • Während die Gewerkschaften immer eine Angleichung der Löhne in Ost und West fordern, werden für 2004 und 2005 zweistellige Abschläge den LeiharbeiterInnen zugemutet. 
  • Ohne diese unvorteilhafte Vereinbarung, hätte es aufgrund gesetzlicher Vorschriften ab 1. Januar 2004 gleichen Lohn für gleiche Arbeit gegeben. 
Das Geld vom Arbeitsamt
Von 100 Arbetslosen, die im Dezember 2002 Leistungen erhielten,
bekamen monatlich...
 
Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Grafik.
Das Geld vom Arbeitlsamt (verkleinerte Darstellung)

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Stellenanzeige

Die HALZ expandiert.
Wir suchen Mitarbeiter/innen für folgende Aufgaben

- Vertrieb und Logisitik
- Marketing
- Fundraising
- und nach wie vor:
  Autor/innen

Wir erwarten
- Engagement für soziale Themen
- fundierte Kenntnisse
- Bereitschaft, sich schnell in neue Aufgaben einzuarbeiten
- Teamfähigkeit

Wir bieten
- volle unbefristete Stellen zum Ehrenamtstarif
- flache Hierarchien, viele Freiräume und viel Stress

Bei gleicher Qualifikation werden
Frauen und Schwerbehinderte bevorzugt eingestellt.

Bewerbungen bis zum 30. November 2003 bitte an

HALZ
c/o Burkhard Hasse (Human Resources)
Rosenbergstr. 19, 30163 Hannover

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Leserecho

"Dummheit siegt! Widerstand ist nicht zwecklos! Aber Widerstand, der Forderungen an das
System stellt ist nicht nur zwecklos, er ist blödsinnig!"
(Aus einer E-Mail von H.O.)

"Mit Ihren Angriffen auf die SPD in Ihrer Zeitung tun Sie sich und den Arbeitslosen einen schlechten Dienst, weil durch die CDU/CSU der Sozialabbau noch schneller geht und wir "amerikanischen Verhältnisse" haben."
(Aus einem Fax von S.N.)

Die neue Ich-AG-Idee

Ich lebe Ihr Leben
Sie haben keine Zeit Ihre Videos zu gucken? Ich gucke sie für Sie!
Sie haben keine Zeit Ihre Bücher zu lesen? Ich lese sie für Sie!
Sie haben keine Zeit Ihre Freunde zu besuchen? Ich besuche sie für Sie!
Sie haben keine Zeit in der Sonne zu sitzen? Ich sitze in der Sonne für Sie!

Sie können sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren 
und rund um die Uhr arbeiten 
und ich lebe Ihr Leben.
Niels Weihrauch

"Druck auf den Strassen … "

Aus einem HALZ Interview mit Jürgen Peters (IG METALL Vorsitzender) 

Jürgen Peters: "Die IG Metall hat in ihren Reihen rund 320.000 Mitglieder, die derzeit ohne Arbeit sind. Wir sind die größte organisierte Arbeitsloseninitiative. … Wir werden den Dialog mit den politischen Parteien führen und gleichzeitig, wenn es nötig ist, Druck auf den Straßen entfalten."

Vollständiges Interview: Halz-Online
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PSA - Zwischenbilanz 2003

PSA (Personal Service Agentur)
= das Kernstück der Hartz "Reformen". Leiharbeitsfirmen, die im Auftrag der "Bundesagentur für Arbeit" Arbeitslose in den Ersten Arbeitsmarkt vermitteln. Sie sollten nach den Vorstellungen ihrer Initiatoren bis 2005 Hunderttausende Menschen in Arbeit bringen. Die Bilanz von Juni bis Oktober 2003: Bei den 952 PSAen sind bundesweit 25.400 Langzeitarbeitslose eingestellt. Davon wurden in den 1. Arbeitsmarkt vermittelt: 2.757. PSA Kosten pro Monat für die Steuerzahler: 12,5 Mio Euro. Das macht pro vermittelten Erwerbslosen: 1.889,13 Euro pro Monat Netto. 
Die nicht funktionierende Integration von Erwerbslosen in den Ersten Arbeitsmarkt fördert der Staat also mit 1889,13 Euro pro Kopf. Zum Vergleich: Arbeitslosengeld beträgt im Schnitt ca. 700 Euro/Monat, Arbeitslosenhilfe ca. 600 Euro, Niedriglöhne von 800 Euro für Vollzeitjobs sind millionenfache Realität.

HALZ Vorschlag:
PSA dicht machen und öffentlich geförderten Beschäftigungssektor ausbauen. 

Quellen: Spiegel 49/03, BA f. Arbeit

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"Solange ich kämpfe, lebe ich."

Auszüge aus einem Gespräch mit einer Langzeitarbeitslosen
 

Bild: Mutter mit Kind

HALZ: "Welchen Einschränkungen bist Du als Langzeitarbeitslose unterworfen, wie macht sich das im Alltag bemerkbar?"

"Mit zunehmendem Alter wurden die Phasen der Erwerbslosigkeit länger. Das bedeutet zum einen, dass es nie möglich war eine Grundlage für mein Leben, geschweige denn eine Alterssicherung aufzubauen, zum anderen nie so etwas wie Sicherheit und aufgefangen werden zu erfahren.

In den ersten Jahren suchte ich die Schuld für mein "Versagen" bei mir.

Jede neue Absage auf eine Bewerbung löste Angst und Verzweiflung aus. Nach Depression und Panik bis hin zu Suizidgedanken, kamen Wut und Hass. Ich wurde ein Mensch, den ich selbst nicht leiden konnte. Mit fachlicher Hilfe lernte ich in den folgenden Jahren die Schuld nicht bei mir zu suchen. Ich verfolgte jetzt die Strategie des Überlebens, statt der der ständigen Rechtfertigung. Nutzte Offenheit, statt verschämter Lügen und Ausreden.

Ein Beispiel: Fragte mich früher jemand ob ich mit in ein Restaurant, zu einer Veranstaltung komme, erfand ich Ausreden. Es war mir zu peinlich. Heute sage ich, dass ich kein Geld dafür habe.
Das zu tun verschaffte mir Erleichterung. Der Preis dafür ist jedoch hoch. Es sind nur wenige FreundInnen geblieben. Geldprobleme wirken auch im zwischenmenschlichen Bereich. Einige Jahre lang habe ich auf diese Weise, trotz geringen Einkommen, in einer gewissen Stabilität gelebt.

Agenda 2010 heißt Ausschluss

Mit Ankündigung der Agenda 2010 ist es aus damit. Jetzt sind sie wieder da, die unwillkommenen, aber vertrauten Begleiter, Panik, Zukunftsangst und Depression. Komme ich jetzt schon kaum mit dem Geld aus, wie soll ich es nächstes Jahr schaffen?
Inzwischen bin ich chronisch erkrankt. Bisher brauchte ich nichts dazu zu zahlen. Das gewährleistete zumindest ein Mindestmaß an Versorgung, obwohl auch Wesentliches vom Arzt Angeratenes nicht finanzierbar war. Wie soll ich ab Januar meine Rezepte einlösen, die Dauertherapien gewährleisten? Es gibt keine Ratenzahlungen in diesen Bereichen. Was passiert bei Unterbrechung der Behandlung chronischer Krankheiten?
Was geschieht, wenn etwas Notwendiges kaputt geht und kein Geld für Reparatur oder Neuanschaffung da ist. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist das Sozialamt für ALG II BezieherInnen nicht für so etwas zuständig.
Ich werde meine Monatskarte mir nicht mehr leisten können. Da ich keine andere Möglichkeit habe , weitere Entfernung zu überbrücken, droht die völlige Isolation. Telefonkosten müssen eingespart werden, es droht die Aufgabe meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten. Ferner werde ich weder die Fahrtkosten zu Ärzten sowie zu den nächstgelegen Einkaufsmöglichkeiten aufbringen können.
Wie weiter?
Diese Sorgen und Ängste begleiten mich nicht nur am Tage, sie nehmen meine Träume und meinen Körper in Besitz. Der tägliche Kampf dagegen, der Versuch immer wieder neue Kräfte zu mobilisieren, obwohl da keine Zeit zur Regeneration ist, wenig aufbauendes passiert, zerrt gewaltig.
Es gibt jedoch keine Alternative, denn solange ich kämpfe, lebe ich."

HALZ: "Du engagierst Dich in Erwerbsloseninitiativen, was bedeutet das für Dich?"

"Zum einen ein Stück von diesem Kampf, ein Kampf gegen die Selbstaufgabe. Eine Suche nach Mitteln zum Überleben.
Zum anderen möchte ich diesen Weg mit anderen Betroffenen gemeinsam gehen. Möchte eine Basis schaffen, um Selbstvertrauen zu stärken, weg von der angenommenen eigenen "Schuld" hin zur eigenen Kraft. In den Gruppen soll eine Atmosphäre der Gemeinsamkeit, des Angenommenseins geschaffen werden und praktische Tipps zum Überleben ausgetauscht werden. Ferner gibt es Möglichkeiten zur politischen Gegenwehr."

HALZ: "Welche Wünsche, Erwartungen, Forderungen hast Du"

"An erster Stelle wünsche ich mir in unserem Lande mehr offene Augen und den Mut für Schwache einzutreten, den Mut, über Tatsachen zu sprechen anstatt sich hinter manipulierten Statistiken und Vorurteilen zu verstecken. Es ist dringend notwendig, statt Sozialabbau zu fördern wieder Sozialethik, Menschlichkeit, christliche Werte neu erstarken zu lassen.

Es kann jeden treffen

Erwerbslose, Kranke, Rentner und andere sozial Schwache sollen nicht mehr als Ablenkung und Aggressions- Objekte angeboten werden. Ich erwarte dass die Bevölkerung weniger Akzeptanz für diese "Sündenbock-Anprangerei" aufbringt. Es kann jeden treffen.
Es ist notwendig, dass die, die mehr haben, es nicht mehr als Zumutung empfinden, sich mit denen zu beschäftigen, die es schlecht getroffen haben. Dass sie ihre Mitmenschen unterstützen, anstatt Pfründe zu bewahren.
Objektive Politiker wären ein schönes Ziel. Solange es ihnen jedoch erlaubt ist, in Wirtschaftsunternehmen im Vorstand oder als Berater ihre Gehälter aufzubessern, dienen sie zwei Herren; wem mehr, ist wohl keine Frage. Solange sie ihre Fehler mit Steuergeldern bezahlen dürfen und keine Verantwortung tragen, fehlt der Anreiz, es besser zu machen. 

Ich würde mir eine Gesetzgebung wünschen, die das unterbindet. Außerdem wäre ich für die Einführung von Arbeitslosengeld für Politiker und den Wegfall sämtlicher Privilegien bei grober Fahrlässigkeit und Amtsmißbrauch."  

Der Name ist der Redaktion bekannt. Das oben abgebildete Ölgemälde mit dem Titel "Armut" ist von unserer Gesprächspartnerin. Mehr über das Gespräch unter: www.halz.org, dort auch ein Artikel über seelische Folgen der Arbeitslosigkeit.
Zu den psychischen Folgen von Arbeitslosigkeit s. a. "Arbeitslosigkeit bewältigen" von Norbert P. Nüchter und unter  Termine (28.01.)


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Anlieger frei

HALZ Kunst
 
Wir möchten unsere Leserinnen und Leser einladen, eigene Beiträge (Fotos, Bilder, Essays, Kommentare, Geschichten) an die Redaktion einzureichen.

Sprach-Müll

"… die Arbeitslosen von der Strasse holen ..."
"Wir müssen die Arbeitslosen von der Strasse holen!" Wer hat diese Floskel nicht schon zu oft gehört. Gerne ergänzt durch ein markiges: "... und wieder in Lohn und Brot bringen". Das ist: Sprachmüll. Warum?
Ein Blick zurück in die Geschichte: Hannover 1932. Arbeitslose stehen vor dem Arbeitsamt stundenlang Schlange, um das Stempelgeld abholen zu dürfen. Nachmittags stehen viele arbeitslose Männer in Grüppchen an den Straßenecken ihres Arbeiterviertels. Zu Hause, bei den Frauen und Kindern der Familien herrscht nackte Not. Der Kampf um das tägliche Brot frisst die letzten Kräfte. 
Heute: Hannover, 2003. (Noch) Keine Schlange vor dem Arbeitsamt. Drinnen sitzen die Menschen in klinisch kühlen Wartezonen, kaum jemand redet miteinander, beim Arzt wartet man meistens länger als hier. Arbeiterviertel in Hannover? Nur mit dem Zusatz "ehemaliges". An den Straßenecken nun: Das sog. Strandgut der Gesellschaft, Obdachlose, Drogenabhängige. 

Ein-Eurostück, Gulli

HALZ über Kopf

Sie kennen die vorherigen HALZ - Ausgaben nicht oder möchten etwas nachlesen? Sie interessieren sich für aktuelle Veranstaltungen? Sie haben einen tollen Beitrag geschrieben und möchten ihn unbedingt veröffentlichen? Oder Sie haben den "HALZ" noch nicht voll? 
Kein Problem: auf unserer Homepage "www.halz.org" gibt's das komplette Archiv der bisher erschienen HALZ - Ausgaben. Die Internetausgabe bietet mehr: In der Rubrik "Halz - Online" stehen Beiträge von Lesern, die in unserer Druckausgabe nicht untergebracht werden konnten. Jede/r kann sich beteiligen! Lob, Kritik und Anregungen sind willkommen! Hierzu klicken Sie den Button "Kontakt".
Außerdem finden Sie auf unserer Homepage jede Menge Service (z.B. "Rat & Tat" oder "UnRecht"), Spaß (HALZ Satire, "Horrorskop") und Neues aus der Redaktion.
Übrigens, bis zum Redaktionsschluss dieser HALZ wies die Statistik ca. 40.000 Zugriffe seit August '03 aus! 

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Arbeitslose 1932 in Hannover
Die Arbeitslosen: Allein zu Haus. Vor TV und PC. Und wollen in Lohn und Brot gebracht werden? Das Problem ist (noch) nicht unser tägliches Brot. Arbeitslose wollen einen gut bezahlten Job, um mal wieder in Urlaub fahren zu können. 
Sprachmüll bedeutet: Wer die heutige Situation mit Bildern von vor 70 Jahren beschreibt, hat ein Problem mit der gesellschaftlichen Realität.
HALZ rät daher: Wenn Ihnen Sprachmüll begegnet, aufsammeln und zurück an den Verursacher schicken. (kdg)

Impressum

HALZ, Fössestr. 67, 30451 Hannover 
Fon/Fax: 0511 / 210 20 67
Email: b.hasse@surfeu.de 

Herausgeber: Klaus-Dieter Gleitze (V.i.S.d.P), Burkhard Hasse, Sabine Grizewitsch (internet)

Internet: www.halz.org

Fotos: Klaus-Dieter Gleitze

HALZ dankt:
Wir haben inzwischen so viele Unterstützer/innen, Mitstreiter/innen und Autor/innen, dass wir nicht alle namentlich nennen können, ohne jemanden zu vergessen! Vielen Dank für Beiträge und Kommentare, aber auch für praktische Hilfe wie Verteilung und Spenden! (s. auch www.halz.org) 

Namentlich gezeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Reaktion wider.
Die Redaktion freut sich auf weitere Beiträge.

Verlag: Agenda-Zeitungsverlag
Wolfgang Wegener, Hannover
www.agenda-zeitungsverlag.de
Auflage: 10.000 Exemplare

Diese Ausgabe wird unterstützt von:

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HALZ zum Download

Auf der Homepage des AGENDA-Verlages finden Sie einen Link zur HALZ.
Sie können die Zeitungen des AGENDA-Verlages online lesen oder als pdf-Datei auf Ihren Computer runterladen. Die HALZ Winter 2003/2004 hat 632 KB.
 
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