HALZsatirisch

Presseinformation (11. November 2004)
Präsentkorb für den Kanzler!  ALG II Tagesration als Dankeschön!
11. November 2004. 10.30 Uhr - Hannover. Plathnerstraße beim Kanzler.
Das HALZ ART Project übergibt im Rahmen der Performance "Schmalhans für den Suppenkasper" Bundeskanzler G. Schröder als Dankeschön für die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe den ALG II Präsentkorb. 

HALZ Art Project (20.09.2004)
Hartz macht's möglich! Deutsche Sicherheit am Euphrat! 
Security Iraq Service (SIS) rekrutiert Männer und Frauen für den Irak!!

Schröder verzichtet auf Pension! (19. September 2004)
Gerhard Schröder hat im Exklusivinterview mit dem HALZ ART Project auf seine Pensionsansprüche aus seiner Zeit als MdL und MdB sowie als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und Bundeskanzler verzichtet.

Endlich! Trotz ALG II-Drohung und den Angriff auf die Sparbücher seiner Kinder erstellte unser Chef-Astrologe Wei Se unser aktuelles Sommerhorrorskop.

Anno dominorum
Gerhard Schröder, Konsorten und Kohorten etc. 2004 /2005

HALZ Art project: kürzeste Montagsdemo der Welt (23.08.04)

Notwehrplanung (25.07.2004)
Beitrag von unserem Leser E. Dietze

Überschrift: E.D. trifft G.S. in Hannover
Beitrag von unserem Leser E. Dietze

Uncle Gerd
eine Bildmontage von Achim Hoese

Lebst du noch...

AGENDA 2010
Foto und Text: Klaus-Dieter Gleitze

Albtraum eines Arbeitslosen
Zähltag in der Anstalt mit dem großen roten [A], links am Eingang steht ein Blumenkübel mit welken Vergissmeinnicht. Festlich ist der Vorbeimarsch nicht, ...
eine Glosse von Hajo Freese

Die neue Ich-AG-Idee: Ich lebe Ihr Leben von Niels Weihrauch
wie das geht...

Abschaffung von Arbeitslosigkeit - durch mehr Bewerbungen
Es gibt in Deutschland über 4 Millionen offiziell gemeldete Erwerbslose. (...) Dieses Bewerberpotenzial könnte für einen enormen Stellenzuwachs sorgen - und zwar so

Millionenspiele
Tabulos und phantasievoll, so schallt es uns aus den herrschenden Medien entgegen, solle die Diskussion um den Umbau des Sozialstaats geführt werden. Nun denn...

Jetzt können auch Arbeitslose wegrationalisiert werden!
War Arbeitslosigkeit bisher noch absolut sicher vor Rationalisierungsbestrebungen, (...), so gehören auch diese Zeiten der Vergangenheit an. Satire von Niels Weihrauch [mehr...] 

HALZ ART Project: Hartz macht's möglich! 

Deutsche für Sicherheit am Euphrat

die freundlichen Verteiler
oben: die freundlichen Verteiler  
rechts: der große Agitator
Fotos: Klaus-Dieter Gleitze/Burkh. Hasse
der große Agitator

Der SIS (Security Iraq Service) powered by HALZ ART Project eröffnete am 20. Septem-ber 2004 sein erstes deutsches Recruitung Office. Da das Stellenangebot der Bundesagentur für Arbeit für Wachpersonal im Irak nur geringen Widerhall gefunden hat, ging das SIS Team in die Offensive. 
Hannoversche Erwerbslose wurden direkt vor der Agentur für Arbeit in Hannover auf ihre Tauglichkeit getestet. Die große Resonanz zeigte, dass deutsche Männer und Frauen ihren Beitrag für die Gene-sung der Krisenregion an Euphrat und Tigris leisten wollen. Das Open Air Profiling im Wüstensand mit Übungen an der Waffel und verschärften Härtetests simulierte die Aufgaben am Golf.
Wenn künftig 1-Euro-Jobs zumutbar sind, soll wenigstens das Klima stimmen, meinten viele Erwerbs-lose. Ein sicheres Nebeneinkommen unter Sonne und Palmen sei besser als der Winter im kalten und grauen Deutschland. Denn: Sozial ist, was Arbeit schafft. Bombensicher.
Der SIS (Security Iraq Service) ist Teil des Aktionsprogramms des HALZ ART Project für soziale Gerechtigkeit. Weitere Interventionen werden vorbereitet.

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Presseinformation 19.09.2004

Schröder verzichtet auf Pension! 

19. September 2004.
Gerhard Schröder hat im Exklusivinterview mit dem HALZ ART Project auf seine Pensionsansprüche aus seiner Zeit als MdL und MdB sowie als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und Bundeskanzler verzichtet.

Unter Bezugnahme auf seine jüngste Kritik am Bezug von staatlichen Sozialleistungen erklärte er wörtlich: "Ich jammere nicht. Ich verzichte auf meine sämtlichen Pensionsan-sprüche als Abgeordneter im Landtag und im Bundestag und als Ministerpräsident und Bundeskanzler. Das ist mein Zeichen gegen die Mitnahmementalität. Ich bin nicht dürftig."

HALZ und HALZ ART Project sind Work in progress. 
Mehr Infos unter www.halz.org.
Wir freuen auf Ihre Berichterstattung. 
Für weitere Fragen steht Ihnen unser Pressebüro zur Verfügung. 

Mit freundlichen Grüßen

Burkhard Hasse Klaus-Dieter Gleitze
HALZ ART Project
unabhängig und überparteilich

HALZ ART Project 
Kontakt Burkhard Hasse Rosenbergstr. 19 30163 Hannover
FON (0511) 62 08 33 E-Mail: b.hasse@surfeu.de 

Horrorskop

Das Horrorskop verdanken wir auch dieses Mal unserem Chefastrologen Wei Se.

Widder. 21.03.-20.04.
Arbeitslos und demnächst für nicht mal 2 Euro die Stunde bei der Caritas arbeiten. So hatten Sie sich christliche Nächstenliebe nicht vorgestellt.

Stier. 21.04.-20.05.
Sie wollten die Arbeitslosigkeit ihres Partners nicht an die große Glocke hängen. Dank des Zusatzbogen zum ALG II-Antrag weiß es jetzt Ihr Boss.

Zwillinge. 21.05.-20.06.
Sie kündigen den Vertrag für Ihr Handy. Der Verkäufer fragt: Auch ALG II ?

Krebs. 21.06.-22.07.
Silvester 2004. Ab morgen findet Kino, Theater, Pinte und Sportverein ohne Sie statt.

Löwe. 23.07.-22.08.
Agentur für Arbeit. Er: Als Manager muss nicht im Park fegen. Das hat Ihr Herr Weise versprochen! Beraterin: Nun gut. Aber auf dem Friedhof kehren Sie trotzdem.

Jungfrau. 23.08.-22.09.
Endlich dürfen Sie als Visagistin wieder schminken. Nach dem Begräbnis gratulieren Ihnen die Angehörigen: "So gut sah Oma noch nie aus!"

Waage. 23.09.-22.10.
1,90 m. 120 kg. Türsteher. Ihre Fähigkeiten sind ab 2. Januar 2005 wieder gefragt - als Street Fighting Man gegen renitente Arbeitlose in der Agentur für Arbeit.

Skorpion. 23.10.-22.11. 
Ihr Sachbearbeiter bei der Krankenkasse stöhnt: "Schon wieder einer mit einem Schuhkarton voller Quittungen für Zuzahlung und Praxisgebühr. Können Sie nicht mal kaufmännisch abheften?"

Schütze. 23.11.-21.12.
Sie schleppen Ihren Goldfisch, den alten Bauernschrank und die Kuckucksuhr in die Agentur für Arbeit. Ihr Berater ist baff: "Mensch, im Formular steht Vermögen angeben und nicht abgeben!" 

Steinbock. 22.12.-19.01.
Wasserschaden in der Wohnung. Computer virenverseucht. Und dann noch diese Bewerbungsauflagen. Der Sommer ist für Sie gelaufen.

Wassermann. 20.01.-18.02.
Sie sind sauer. Schließlich hatten Sie auf das Bundesverdienstkreuz für Ihren "Verzicht" auf ALG II im Januar 2005 gehofft. Doch selbst auf den Hardliner Clement ist kein Verlass mehr. 

Fische. 19.02.-20.03.
Dem Konzern geht's schlecht. Sie und Ihre KollegInnen verzichten auf 500 Millionen Euro im Jahr. Ein paar Tage später verkündet der Vorstandschef einen Gewinnsprung. Dass Bosse nicht rechnen können, wissen Sie! Dass die Gewerkschaftler im Betriebsrat auch nicht mehr auf dem Kasten haben, finden Sie gruselig.
Burkhard Hasse/Sabine Grizewitsch

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Anno dominorum

Gerhard Schröder, Konsorten und Kohorten etc. 2004 /2005

Und ein Sturm wütete über das Land.
Er verwüstete die Fundamente des Abendlandes,
Christlichkeit, Solidarität, Nächstenliebe und Mitgefühl.
Er ließ die Früchte der Gerechtigkeit verdorren und riß die Wurzeln der Anständigkeit und Ethik aus.
Er säte Samen von Mißgunst, Haß und Verzweiflung aus. Einst Vorhandenes wurde umgegraben und mit inhaltslosen Werbetafeln zubetoniert.
Die Auen des Kapitals wurden gehegt und gepflegt; zu ihrem Schutze Mauern errichtet.
Wer sich zum neuen Glauben nicht bekennt, wird zur Nichtexistenz verdammt (das Gewissen findet keinen Raum). Kahlschlag ist angesagt.
Wie viel Zeit wird vergehen, bis sich aus der Eiszeit wieder vielfältiges Leben erhebt?
Einzige Überlebenschance:
· wärmt euch gegenseitig
· lasst diese Wärme um Euch nicht erlöschen
· bildet einen Chor
· versucht mit Euren Stimmen das Eis zu spalten
· organisiert euch.

J. K.

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HALZ Art project: kürzeste Montagsdemo der Welt

23.08.04, vor Agentur für Arbeit Hannover. 
Zwei Leute, Plakate winzig, Rede kurz, Route minimal. Presse begeistert,
Arbeitslose mobilisiert. Weitere Aktionen folgen. 
Ende kürzester Montagsdemobericht HALZ
kdg
 

Demozug
 
Text auf dem Transparent:

Kleinste Montagsdemo der Welt!
"Hartz-Reise", Heinrich Heine - rot-grün gewidmet
"Kleines Völkchen,
Wichtelmännchen,
Stehlen unser Brot und Speck,
Abends liegt es noch im Kasten,
Und des Morgens ist es weg."

Eine Aktion von HALZ Art Project
 

Transparent

Notwehrplanung

Die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II bringt vielen Arbeitslosen ab Januar 2005 eine drastische Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage. Rund 500.000 wird die finanzielle Unterstützung komplett gestrichen, weil ihre Partner "zu viel" verdienen oder weil sie verwertbares Vermögen haben (Lebensversicherungen, Antiquitäten, Schmuck usw.). Andere Bezieher von Arbeitslosenhilfe müssen mit einer Halbierung ihrer Bezüge rechnen.

Es ist nicht auszuschließen, sagte Konrad Freiberg, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, dass die Wut der Betroffenen über diese Verschlechterungen Anfang nächsten Jahres zu sozialen Unruhen führt und sich in gewaltätigen Protesten vor und in den Arbeitsagenturen entlädt. Es muss damit gerechnet werden, dass die Arbeitsagenturen dann polizeilichen Schutz benötigen, um Gewalt gegen Sachen und Personen zu verhindern.

Der Wirtschaftsminister und die Bundesagentur für Arbeit haben diese Stellungnahme scharf kritisiert. Sie sei geeignet, die Gefahr, vor der sie warne, erst herauf zü beschwören. Sie könne von vielen Arbeitslosen sogar als Aufruf zur Gewalt verstanden werden.

Gleichzeitig werden die geäußerten Befürchtungen von der Bundesagentur seit langem geteilt. Nur nach außen dringen soll das auf keinen Fall. Es wurde ein achtseitiges Faltblatt erstellt, in dem die Mitarbeiter der Arbeitsagenturen auf die Situation nach dem 1. Januar 2005 vorbereitet werden. Darin wird ihnen mitgeteilt, welcher Schutz gegen gewaltsame Übergriffe geplant ist. Dieses Faltblatt, das von der Bundesagentur wie eine geheime Kommandosache behandelt wird, liegt HALZ vor. Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte daraus kurz zusammen gefasst.

1. Jedem Bediensteten werden, wenn er es wünscht, Mittel zur Verfügung gestellt, mit denen er sich gegen befürchtete Angriffe angemessen verteidigen kann. Zur Auswahl stehen Sprühdosen mit Reizgas, Gaspistolen und Schreckschusspistolen. Diese Abwehrmittel dürfen jedoch auf keinem Fall sichtbar auf dem Schreibtisch liegen. Sie sind griffbereit in der Schreibtischschublade zu verwahren. Nach Dienstschluss ist die Schublade zu verschließen.

2. Sicherheitsschleusen an den Eingängen zu den Arbeitsagenturen wird es nicht geben. Das wäre einerseits zu teuer und zu personalaufwendig. Zum anderen wäre es aber auch kontraproduktiv. Der Eindruck, dass die Arbeitsagenturen in den Arbeitssuchenden potentielle Gegner sehen, ist unbedingt zu vermeiden. Den Arbeitssuchenden darf auf keinen Fall der Eindruck vermittelt werden. dass sie von den Arbeitsagenturen bekämpft werden.

3. Die Verteidigungsmittel dürfen nur in Notwehrsituationen eingesetzt werden. Nicht jede Erregung eines Arbeitssuchenden, nicht jedes laute Wort, nicht jedes Fuchteln mit den Armen darf als Angriff gedeutet werden, der zu Abwehrmaßnahmen berechtigt. Zuerst muss in jedem Fall versucht werden, die Arbeitslosen zu beruhigen und zur Besonnenheit zu ermahnen.

Das Faltblatt schließt mit einem Appell an die Bediensteten, ihre verantwortungsvolle Tätigkeit auch im nächsten Jahr engagiert und tatkräftig fortzusetzen. Auch wenn es dann angesichts der prekären wirtschaftlichen Situation vieler Arbeitssuchenden sehr viel schwieriger sein wird, sie zu motivieren. Ihnen ist weiterhin zu vermitteln, dass jeder die Chance hat, eine angemessene Tätigkeit zu finden. Nur leider nicht alle.
Autor: E. Dietze
 

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E.D. trifft G.S. in Hannover

Folgenden Beitrag reichte unser Leser E. Dietze ein.

Manchmal hilft das Glück. Zufällig trafen wir den Bundeskanzler in der Nähe seines Reihenhauses. Spontan erklärte er sich zu einem Interview bereit.
DIETZE: Herr Bundeskanzler, die Hälfte der Legislaturperiode ist fast vorbei. HARTZ I bis III sind in Kraft getreten und HARTZ folgt Anfang 2005. Ist der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit bereits gewonnen oder steht der Sieg noch aus?
SCHRÖDER: Sie wissen, daß die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in den letzten zwei Jahren alles andere als befriedigend war. Das hat zum Teil konjunkturelle Gründe, die auch mit der Entwicklung der Weltwirtschaft zu tun haben, wie dem Ölpreis. Darauf haben wir wenig Einfluß.
DIETZE: Vor zwei Jahren hieß es, wenn die Empfehlungen der Hartz Kommission zügig umgesetzt werden, könne es gelingen, die Zahl der Arbeitslosen bis 2006 um 2 Millionen zu senken? Besteht diese Aussicht nach Ihrer Meinung immer noch?
SCHRÖDER: Dieser Prognose lag eine Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung zugrunde, die leider nicht eingetreten ist. Ich habe auf das verlassen, was die Experten für möglich hielten.
DIETZE: Was sind die Gründe für die Erfolglosigkeit im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit?
SCHRÖDER: Das Problem jeder Arbeitsmarktpolitik ist, daß sie das Verschwinden von Arbeitsplätzen nicht verhindern kann. Wir können uns nicht an die Grenze stellen und verhindern, daß Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden. Wir können auch nicht in die Betriebe gehen und die Maschinen und Computer heraustragen, damit alles wieder mit der Hand gemacht wird. Die Steigerung der Produktivität, die Arbeitsplätze vernichtet, können wir nicht stoppen. Und das wollen wir auch nicht. Das wäre kontraproduktiv.
DIETZE: Das heißt?
SCHRÖDER: Wir können nur versuchen, das Entstehen neuer Arbeitsplätze als Ersatz für die verschwundenen zu fördern.
DIETZE: Warum gelingt das nur unzureichend?
SCHRÖDER: Das Entstehen von Arbeitsplätzen, die sich lohnen und genug Profit erwirtschaften, brauchen wir nicht zu fördern. Die entstehen von ganz alleine. Staatlich Förderung für zusätzliche Jobs betrifft nur solche Arbeiten, die wirtschaftlich nicht sinnvoll sind, weil sie sich nicht rentieren. Die aber gesellschaftlich sinnvoll und erstrebenswert sind. Beispielsweise soziale Dienste, die Betreuung von Alten und Behinderten, der Schutz von Natur und Umwelt, Bildung und kulturelle Aktivitäten. In diesen Bereichen gibt es ein großes Reservoir an sinnvoller Beschäftigung. All diese Tätigkeiten sind aber nicht sehr produktiv und deshalb wirtschaftlich nicht rentabel. Kraß gesagt: Natur und Umwelt zahlen nichts für ihre Erhaltung und ihren Schutz.
DIETZE: Dann brauchen wir im Kampf gegen Arbeitslosigkeit mehr Staat, nicht weniger.
SCHRÖDER: Wenn es so einfach wäre, wäre es ziemlich einfach. Aber das Problem ist: Wenn das Ausland für den Schutz von Natur und Umwelt kein Geld ausgibt, dann können wir es uns aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit nicht leisten, unsere Wirtschaft mit den Kosten dafür zu belasten. Das gleich gilt auch für die Kosten des Alters, also die Renten, und für die Kosten für Gesundheit und Pflege. Der internationale Wettbewerb -heute sagt man dazu Globalisierung- zwingt uns, diese Kosten zu senken. Jedenfalls solange die anderen Länder nicht bereit sind, dafür mehr Geld auszugeben.
DIETZE: Die Bundesregierung ist also ziemlich machtlos im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.
SCHRÖDER: Die Möglichkeiten des Staates, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu gestalten und zu beeinflussen, sind geringer geworden. Das haben kluge Leute schon vor vielen Jahren erkannt. schon in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der Verwaltungsrechtler Ernst Forsthoff beklagt, daß die Möglichkeiten des Staates, politisch zu intervenieren und zu gestalten, immer geringer werden. Das ist ein Vorteil, weil es die Gefahr politisch katastrophaler Entscheidungen reduziert.
DIETZE: Das deckt sich mit den alltäglichen Erfahrungen. Seit 30 Jahren versprechen Bundesregierungen, sie werden die Arbeitslosigkeit abbauen. Und seit 30 Jahren ist auf diesem Gebiet kein dauerhafter Erfolg errungen worden. Ist es da nicht langsam Zeit zu sagen: Tut uns leid, wir können da nichts machen?
SCHRÖDER: Das wäre subjektiv redlich. Politisch wäre es aber Selbstmord. Niemand erwartet von mir, daß ich mir mein eigenes Grab schaufele und mich dann hinein lege. Ich hab das auch nicht vor.
DIETZE: Aber den Glauben, im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit erfolgreich zu sein, haben Sie, wenn wir Sie recht verstehen, auch nicht mehr.
SCHRÖDER: Die Geschichte lehrt uns, daß es nur ein einziges Mittel gibt, im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit schnell und durchschlagend erfolgreich zu sein. Und zwar die Kriegsführung. Andere mögen Kriege vom Zaun brechen und sich damit beschäftigen. Meine Politik und die Politik der SPD ist das nicht. Und ich füge hinzu: Zum Glück gibt es für eine solche Politik in Deutschland auch keine Mehrheit.
DIETZE: Herr Bundeskanzler, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Autor: E. Dietze

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Uncle Gerd

Uncle Gerd

 

Lebst du noch...

Lebst du noch...?
 
Dieses Foto und die Bildmontage links stellte uns freundlicherweise Herr Achim Hoese aus Braunschweig zur Verfügung. 
Wir danken sehr!
(Die HALZ-Redaktion)

         zwei Gerippe

AGENDA 2010

"Wir sollen den Gürtel enger schnallen!"
"Diese Agenda 2010 macht mich noch ganz krank!"
Foto und Text: Klaus-Dieter Gleitze

 
Albtraum
eines Arbeitslosen

Zähltag in der Anstalt mit dem großen roten [A], links am Eingang steht ein Blumenkübel mit welken Vergissmeinnicht. Festlich ist der Vorbeimarsch nicht, kein klingendes Spiel, keine Bratwurstbude oder die gute alte Gulaschkanone.
Hinter den Mauern der Anstalt strickt ein hochqualifiziertes Team fieberhaft Tarnkappen, mit denen man die Arbeitslosen unsichtbar macht. 
"Der Reihe nach vortreten!" Ich bin dran. Man hält mir den Tarnkappen-Erlass SG III § 428 zur Unterschrift vor die Nase. Wer nicht unterschreiben will, dem werden Sanktionen angedroht: sinnlose Lehrgänge... Leergänge! Berufsertüchtigungsmaßnahmen in Arbeitslosen-Spottgruppen. Ich wehre mich, man droht mir mit sechswöchigem Leergang. Eine Woche Berufsertüchtigung reicht, ich unterschreibe. Wer unterschreibt, muss morgen nicht mehr marschieren, der darf seine Arbeitslosigkeit zuhause ertragen und wird nicht mehr im allmonatlichen St. Florians-Gebet erwähnt. Langzeitarbeitslos ab 58. Gott sei Dank, da hat die CDU mal etwas Brauchbares gemacht! Die Gnade der frühen Geburt. Aussortiert unter Aussortierten.
Warten, warten, gezählt werden, vielleicht ist ja einer gestorben oder hat gar Arbeit? Alle bekommen jetzt eine Anstecknadel mit dem großen roten [A]. "Corporate identify", zur besseren Wiedererkennung. Alle Anderen sollen gleich sehen, wer die Gemeinschaft belastet. 
Endlich ist es überstanden und als ich zum zweiten Anstaltstor wieder hinaus marschiere, fällt mein Blick auf einen spiegelverglasten Bau, der globale Ausmaße hat. Hinter den stahlblau schimmernden Scheiben zählen humanoide Wesen mit. Die leisen Stimmen dieser Wesen kann man nicht hören. Zweireihig gutbetucht und fernglasbewaffnet flüstern sie:"Es sind noch nicht genug."
Ja, die skrupellosen Nadelstreifler zeigen uns schon, wie es wieder "aufwärts geht mit der Deutschland AG", zu den Bedingungen der Skrupellosen versteht sich, auf deren Gebäude auch ein großes [A] prangt, allerdings ein blaues.
Am Ausgang stehen kamerabewaffnete Sozialtouristen, die sich eine Portion Wohlbefinden abholen, weil sie nicht mitmarschieren müssen - noch nicht. Hinter der gaffenden Menge hat ein Markt eröffnet, Buden, die alles mögliche anpreisen. Da hält einer preiswerte Hängematten wohlfeil, an einer Bude werden Lose verkauft, Arbeits-Lose... jedes fünfte Los gewinnt... angeblich. Haha, Arbeitlose verkaufen Arbeits-Lose, ein Mini-Job aus der Lostrommel. Heimarbeit, angeboten von Bauernfängern. Job-Zuhälter suchen Vermittlungsgutscheine und bieten prozentuale Beteiligung, Skrupellose vom blauen [A] werben mit Arbeit, die vom roten [A] bezahlt wird. "return of investment". "Sklaverei" brüllt da einer und "Ausbeutung", so ein Blödsinn. Ein großes "Laborinth" ist aufgebaut, da soll ein Job versteckt sein. Großer Andrang, teurer Eintritt... hinterher lange Gesichter.
Der erfahrenen Marschierer entflieht, irgendwohin, egal, nur weg. Ich auch. Ich brauche jetzt Ruhe, muss mit meiner Wut fertig werden. Das Elend in Deutschland hat einen Namen, oder besser 5 Millionen Namen. Sorge Dich nicht, reg' dich nicht auf, lebe heute ... jetzt... nicht morgen! Morgen müssen die Anderen wieder marschieren. Ich nicht, denn ich habe unterschrieben. Doch was mache ich morgen? Morgen? 
Morgen ist nur noch ein Wort.
Ich werde wach, habe nicht gut geschlafen, hatte wieder diesen Albtraum. Gott sei Dank nur ein Albtraum! Ganz sicher!
Hajo Freese

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Die neue Ich-AG-Idee: Ich lebe Ihr Leben

Sie haben keine Zeit ihre Videos zu gucken? Ich gucke sie für Sie!
Sie haben keine Zeit ihre Bücher zu lesen? Ich lese sie für Sie!
Sie haben keine Zeit ihre Freunde zu besuchen? Ich besuche sie für Sie!
Sie haben keine Zeit in der Sonne zu sitzen? Ich sitze in der Sonne für Sie!

Sie können sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren 
und rund um die Uhr arbeiten 
und ich lebe Ihr Leben.
Niels Weihrauch

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Abschaffung von Arbeitslosigkeit - durch mehr Bewerbungen

Es gibt in Deutschland über 4 Millionen offiziell gemeldete Erwerbslose. Diese sind gehalten, sich ständig um nicht vorhandene Arbeitsplätze zu bemühen. Zumutbar sind bis zu 10 Bewerbungen pro Monat; theoretisch wären das ca. 500 Millionen Bewerbungen im Jahr. Dieses Bewerberpotenzial könnte für einen enormen Stellenzuwachs sorgen - und zwar so:
Wenn Betriebe und Unternehmen nicht im Bewerbungsmüll ersticken wollen, werden Neueinstellungen fällig. Irgendjemand muss das Massenprodukt Bewerbung schließlich entsorgen: am Mülleimer oder Reißwolf oder - bei fernmündlichen Bewerbungen - in betriebseigenen Call Centern. Von Massenbewerbungen profitieren nicht zuletzt Papierindustrie, Fotografen, Grafiker und die deutsche Post. Auch die Gastronomie wird aus dem Bewerbungsboom Kapital schlagen: Dauerbewerber werden neue Rituale einführen und ihre 100ste Absage in angemessenem Ambiente feiern wollen. Zu den ganz großen Gewinnern der Bewerbungsproduktion gehört jedoch der Umweltschutz. Greenpeace-Aktivisten dürfen einmal mehr ihr Leben aufs Spiel setzen, um umweltschädliche Postsendungen zu stoppen, und weil das sowieso nichts nützt, werden die Grünen eine weitere Umweltnische erschließen und zu Geld machen: Ressourcenschonendes, sanftes Bewerben - Recycling in Bewerbungsverfahren.
Eine neue Kultur des Bewerbens hätte auch für Erwerbslose positive Nebeneffekte: Dauerbewerber sind bekannt für ihre hohe Frustrationstoleranz, sie haben gelernt, mit dem Scheitern zu leben und leben gerade dadurch viel authentischer und gesünder. In Selbsterfahrungs-Gruppen können Bewerbungsprofis zudem spirituelle Erfahrungen austauschen: Ich bewerbe mich, also bin ich - Integrierte Bewerbungsmassagen - Bewerben als Weg .
Dass das Produkt Bewerbung eine kapitalkräftige Investition in die Zukunft ist, haben Finanzpolitiker längst erkannt. Massenhaftes Bewerben saniert den Staatshaushalt nachhaltiger als jede Tabaksteuer. Mit einer Mehrwertsteuer von 1 € pro Bewerbung wäre auch Hans Eichel in der Öffentlichkeit rehabilitiert und müsste sich nicht mehr in Talkshows madig machen lassen.
Zusammengefasst: 4 Millionen Erwerbslose, die 500 Millionen Bewerbungen pro Jahr umsetzen, schaffen ein Wirtschaftswachstum von 2,5 % mit ca. 1 Million neuen Arbeitsstellen. Die Arbeitslosigkeit müsste sich lediglich vervierfachen - und wäre binnen kurzem abgeschafft.
Angela Dinghaus

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Millionenspiele

Tabulos und phantasievoll, so schallt es uns aus den herrschenden Medien entgegen, solle die Diskussion um den Umbau des Sozialstaats geführt werden. Nun denn.
Die international renommierte Firma Merrill Lynch - zuhause in der Finanzwelt mit sechs Nullen aufwärts - wies im Juni darauf hin, dass die Anzahl der Millionäre in Deutschland Ende 2002 gegenüber 2001 um 25.000 Personen auf damals 755.000 Menschen angewachsen sei. Nicht nur insgesamt, sondern auch pro Kopf - trotz der Newcomer - sei das dort konzentrierte Vermögen gewachsen. In Europa lebten insgesamt 2,6 Millionen Millionäre - mehr als alle Einwohner Hamburgs. Sie verfügten über 8,4 Billionen Euro.
Dank der Politik von SPD und CDU wird diese Wachstumsrate des Reichtums vermutlich auch in diesem Jahr nicht geringer werden. Das erleichtert uns eine grobe rechnerische Überlegung.
Wir gehen mal von 4 Millionen Arbeitslosen aus und rechnen bis Ende dieses Jahres mit dann 800.000 Millionären. Also teilen sich gewissermaßen 5 Arbeitslose einen Millionär, der - statistisch gesehen - im Schnitt 3,3 Millionen Euro auf der hohen Kante hat, ohne Immobilienbesitz wohlgemerkt.
Tabulos und phantasievoll gedacht: Wie wäre es, wenn wir die Arbeitslosenversicherung zum 1.1.2004 einfach abschaffen würden? Jeder, der Arbeit hat, hat 50 oder gar 100 Euro mehr netto in der Tasche und die Unternehmen müssen auch weniger zahlen. Jeweils 5 Arbeitslose bekommen einen rechtsgültig einklagbaren Titel in Höhe ihres bisherigen Arbeitslosengeldes gegenüber einem Millionär. Die werden per Zufallsgenerator zugeordnet, damit es kein Subventionsgekungel gibt. 
Der Millionär kann dann entweder seine Arbeitslosen einfach auszahlen. Rechnen wir mal mit 1000 Euro pro Monat und Erwerbslosen, dann sind das 12 x 5 x 1000, also 60.000 Euro im Jahr. Das ist ziemlich genau die Summe, welche die oberste Schicht dieser Klasse, die Einkommensmillionäre, netto durch die von Herrn Schröder geplante Absenkung des Spitzensteuersatzes von 48 auf 42 Prozent einspart. Die Abschaffung der Arbeitslosenversicherung kostet also weder sie noch irgendwem anders Geld. Der Reichtum bleibt. Er wird sogar größer, weil die 3,3 Millionen sich ja weiter verzinsen. Er wächst nur nicht mehr so schnell wie ohne diese Umverteilung der Millionen Arbeitslosen auf die Millionäre. Selbst die ärmsten Millionäre, also die, die nur eine Million Euro besitzen und nichts nebenbei dazu verdienen, bräuchten von ihrer Bank nur eine Verzinsung von 6% auf ihr eingezahltes Kapital bekommen, um ihre Arbeitslosen zu bezahlen. Die verbleibende Million sollte reichen, um selbst anständig über die Runden zu kommen.
Wohlmeinende und besser verdienende Millionäre können ja auch Weihnachtsgeld zahlen - das erwirtschaften sie locker aus ihren Zinsen, ohne an das Vermögen gehen zu müssen. Richtige Leistungsträger und Unternehmerpersönlichkeiten, die es unter den Millionären ja zahlreich geben soll, erhalten das Recht, ihren Arbeitslosen zu zeigen, wie Marktwirtschaft geht und mit ihnen ein Kleinunternehmen zu gründen. Wenn's nicht fluppt, können diese Angestellten ja ohne jeglichen Kündigungsschutz sofort wieder von ihm von der Unternehmenskasse in die familieninterne Arbeitslosentransfer-Kasse umgebucht werden, völlig unbürokratisch.
Organisiert wird das alles vom Arbeitsamt, das mit der Zeit immer weniger zu tun haben wird. Die dann dort entstehenden neuen Arbeitslosen werden den in diesem Lande mit Sicherheit nachwachsenden neuen Millionären zugeordnet. So erreicht dann die SPD doch noch das Ziel der alten revolutionären Sozialdemokratie, die Arbeitslosigkeit abzuschaffen und verschafft gleichzeitig im Sinne der Modernisierer den Millionären eine soziale Aufgabe.
Manfred Sohn
(aus: Ossietzky, Zweiwochenschrift für Politik/Kultur/Wirtschaft, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin, Nr. 21, S. 721

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Jetzt können auch Arbeitslose wegrationalisiert werden!

War Arbeitslosigkeit bisher noch absolut sicher vor Rationalisierungsbestrebungen, weil niemand wusste, was Arbeitslose tun, so gehören auch diese Zeiten der Vergangenheit an. 
Die künstliche Mußeforschung hat erstmals einen Roboter entwickelt, der nichts tun kann. Während den Arbeitslosen zwischenzeitlich die Langeweile quält und er sich in sinnlose Aktivitäten wie Stellensuche, Bewerbungen und Weiterbildung stürzt, verharrt der geniale Roboter im Nichts-Tun und erreicht so die Effizienz von 100 Arbeitslosen. 
Erste Studien belegen eindeutig die Vorteile des Roboters vor menschlichen Arbeitslosen. Er hat keinen Hunger, ist mit seiner Situation zufrieden und zettelt keine sozialen Unruhen an. Arbeitsminister Wolfgang Clement überreichte ihm deshalb schon jetzt den begehrten Nutzlosigkeits-Award. 
Wirtschaftswissenschaftler gehen davon aus, daß sich mit den neuen Robotern die Arbeitslosigkeit drastisch reduzieren lässt und die Entmenschlichung der letzten Domäne des Menschens bevorsteht.
Niels Weihrauch

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